Schimmelpilzsanierung - Desinfizieren hilft nicht allein

Desinfizieren ohne Rückbau von mikrobiell befallenen Bauteilen ist keine fachgerechte Sanierung.

Immer wieder begegnen wir so genannten Schimmelpilzsanierungen, bei denen die Anwendung von Desinfektionsmitteln und die Wiederherstellung der sichtbaren Oberflächen als fachgerechte Sanierung dargestellt wird. Fachgerecht ist dagegen nur die tatsächliche Entfernung von mikrobiellen Bestandteilen, was in der Regel einen Rückbau von betroffenen Bauteilen bedeutet.

In zahlreichen mikrobiologischen Untersuchungen von Desinfektionen nach einem auf diese Weise bekämpften Schimmelbefall hat sich gezeigt, dass eine effektive Abtötung mit Desinfektionsmitteln in der Praxis einen geringen Effekt hat und nach wie vor sowohl keimfähige wie auch sonstige Schimmelpilzbestandteile zurück bleiben, die negative Einflüsse auf die Gebäudenutzer haben können. Dies liegt unter anderem daran, dass in der Praxis ein wirklich flächendeckender Einsatz von Desinfektionsmittel in der notwendigen Konzentration und Einwirkzeit nicht möglich ist – es gibt immer Ecken, wo das Desinfektionsmittel nicht hingelangt, ganz zu schweigen von einer Wirkung in Hohlräumen oder in den Tiefen eines Bauteils.
Insbesondere die Desinfektion von Estrichdämmschichten, die immer wieder von verschiedenen Herstellern als effektiv propagiert wird, hat sich in der Praxis bei genauerem Hinsehen kaum bewährt, da eine flächendeckende Verteilung des Mittels auch im Flutverfahren kaum gelingt und sich bei nachfolgenden Probenahmen in der Regel noch erhebliche mikrobielle Belastungen nachweisen lassen. Gleiches gilt für die Hohlraumvernebelung bzw. für das Ausschäumen. Der Verfasser hat nach zahlreichen solcher Desinfektionsmaßnahmen Probenahmen durchgeführt, die praktisch immer eine kritische Belastung der desinfizierten Bereiche, auch mit keimfähigem Material, nachweisen konnten. Darüber hinaus können manche Desinfektionsmittel sehr nachteilige Wirkungen auf die spätere Bewohnbarkeit haben und zu Schäden an der Bausubstanz führen.
So ist es nicht verwunderlich, dass der nach wie vor als Leitfaden bei Schimmelpilzsanierungen heranzuziehende Schimmelpilzsanierungsleitfaden des Umweltbundesamtes (UBA) von 2005 die mechanische Entfernung von Schimmel, das heißt in der Regel den Rückbau von mit Schimmel befallenen Baustoffen und keine Desinfektion vorsieht. In einer Pressemeldung des UBA von 2009 wird aufgrund gängiger Praxis in der Sanierungsbranche nochmals explizit darauf hingewiesen, dass eine fachgerechte Sanierung ohne Desinfektionsmittel erfolgen soll. Schließlich befindet sich nur ein kleiner Teil des Schimmelpilzes auf der einem Desinfektionsmittel zugänglichen Oberfläche, der Großteil des Pilzes ist im Untergrund verwachsen und bildet dort ein wachstumsfähiges Geflecht, Myzel genannt, das nach Bekämpfungsmaßnahmen neu auskeimen kann.